Der Begriff der Offenbarung in Schellings Philosophie


Der Begriff der Offenbarung in Schellings Philosophie Vortrag an der Universität Leipzig im Juli 2006 Um die Wichtigkeit der Zäsur zwischen der Geschichte vor der Geburt Christi und der danach deutlich zu machen geht Schelling nochmal von dem heidnischen Bewußtsein aus, dem ein großer Umbruch bevorstehen sollte. Schelling definiert den Zustand des menschlichen Bewußtseins in…

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Im Rahmen des Philosophiestudiums enstand Angang Juli 2006 der Vortrag Schellings Offenbarung welcher sich mit dem Offenbarungsbegriff in Friedrich Wilhelm Schellings Philosophie befasste.

Vortrag in: ›Wissen und Offenbarung‹ Institut für Philosophie, Universität Leipzig Leipzig, Deutschland 2006

Um die Wichtigkeit der Zäsur zwischen der Geschichte vor der Geburt Christi und der danach deutlich zu machen geht Schelling nochmal von dem heidnischen Bewußtsein aus, dem ein großer Umbruch bevorstehen sollte. Schelling definiert den Zustand des menschlichen Bewußtseins in dem sich das Heidentum befand als ein von Ekstase gekennzeichneter. Die Vorstellungen dieser heidnischer Denkweisen konnten nur durch ein definitives Faktum beendet werden: dies sei die letzte Etappe der göttlichen Offenbarung, ein außerordentliches und transzendentes Ereignis das als historische Tatsache und Wahrheit besteht- konkret also die Erscheinung Christi. In diesem Zusammenhang amüsiert sich Schelling über Erklärungsversuche, die jenes große Ereignis in einen für die Heiden gefälligen und ihrem Denkmuster angepassten Kontext stellen wollten. Etwa die These, die Apostel hätten sich den Fiktionen der Heiden mit Hilfe der Geschichte eines Halbmenschen und Halbgottes zugänglich machen wollen. Der Einwand Schellings bezieht sich an die Adressaten jener Offenbarungserzählungen und verurteilt solche Interpretationen als wenig geistreich und kontraproduktiv. Schließlich seien die Juden mit solch einer Halbmensch-Halbgottgeschichte angesprochen gewesen und die hätten dies lediglich als Ärgernis oder gar Blasphemie empfunden. Aus heidnischer Sicht wäre die Geschichte ebenso als Torheit abgetan worden. Kein Gott in Knechtsgestalt konnte ein Gott des Heidentums sein.


Das definitive Ende heidnischen Denkens ist schließlich die komplette Entäußerung Gottes seiner natürlichen Potenz bis hin zum Tode mit dem auch das Heidentum erst mal metaphorisch mitstarb. Jeglicher vorher bestehende Glaube wurde durch dieses von den Menschen wahrnehmbare Faktum als Wahn und Dichtung relativiert. Die rein äußere Geschichte entsteht zwar erst mit der Geburt Christi, die innere ist eine Mischung von Wahrheit und Wahn.
An diesem Punkt ist es für Schelling an der Zeit die Frage der physischen Aspekte Christi zu klären. Verkürzt gesagt: die Menschwerdung ist analog zu derjenigen aller Menschen zu denken d.h. als ein ganz und gar natürlicher Prozess der aber einem kritischen Übergangsmoment folgt. Aus dem göttlichen substanziellen Sein materialisiert sich (potenziert sich) die Grundlage des menschlichen Lebens als Keim. Dies kann nur im Verhältnis und relativ gegen ein höheres, ein Drittes ge-schehen das als Heiliger Geist verstanden wird. Dieser entsteht zwar erst durch die Hilfe Christi aber bedingt gelcihzeitig die Menschwerdung dessen. Der Heilige Geist sei auch die dritte Potenz, noch demiurgisch und selbst noch in Spannung und ausgeschlossen. Durch die Materialisierung der zweiten Potenz ist alle Spannung aufgehoben und erscheint als dritte Persönlichkeit, als heiliger Geist und verbindet sich mit dem Mensch gewortdenen Logos.


Die Empfängnis Christi stellt den Übergangsmoment zu einem organischen Prozess dar, der jedem menschlichen Wesen zugrunde liegt – nur daß in unserem Fall kein Zutun eines Mannes gefordert ist. Der heilige Geist macht sich in diesem Zusammenhang durch die Materialisierung und in Kraft der noch höheren Potenz zum Stoffe seiner eigenen künftigen Geburt. Die Stellung der dritten Potenz bringt Schelling mit dem Begriff der Kraft auf einen Punkt, der als solch außerordentliches Ereignis im Sprachgebrauch nicht anders auszudrücken sei. Eine eigentliche Zeugung durch den heiligen Geist sei nicht denkbar. Ebensowenig ist Christus ein Sohn des heiligen Geistes. Der Übergang zur Materialisierung und schließlich zum wahrhaftigen Menschen sei ohne die Kraft dieser dritten Potenz (die außerhalb der Spannung ist) nicht denkbar. Die Menschheit des Logos sei ausdrücklich eine durch Mitwirkung des heiligen Geistes entstandene. Die Verwirrtheit bei der Frage nach der Zeugung von Jesus Christus versucht Schelling mit der immer stattfindenden epischen Ausschmückung der Autoren zu klären. Hierbei werden mystifizierende Erklärungsmodelle angewendet, die den wahren Kern der objektiven historischen Tatsache oftmals verzerren können. Fazit bleibt, daß der Logos zu seiner Menschwerdung keines anderen Stoffes bedurfte als den er an sich selbst hatte. Das Göttliche entherrlichte sich der Substanz nach und gelangte gerade dadurch zu wahrer Herrlichkeit, entledigte sich seiner verdeckenden Hülle. Indem das von Gott unabhängige zum Kreatürlichen wurde und herabgesetzte wurde, offenbarte sich das an ihm göttliche. Nach Schelling sei es auch falsch zu denken, Gott habe eine menschliche Gestalt angenommen – vielmehr hat die Person des Logos die menschliche Natur angenommen. Jesus sei auch nicht von der Gottheit erschaffen worden, sondern sei ein Produkt der vollkommenen göttlichen Einheit. In Jesus findet Schelling bedingt durch persönliche Einmischung des Logos die völlige Einheit der göttlichen und menschlichen Natur.


An dieser Stelle ergeben sich aus den gemachten Aussagen zwei wichtige Fragen:
Wieso kann gesagt werden Jesus sei von den Vätern vom Fleische wenn der Logos den Stoff der Menschwerdung nur aus sich selbst heraus genommen hat?
Wie kann in diesem Zusammenhang behauptet werden er sei ein Mensch wie alle anderen?


Klar kann sagen er sei ein Mensch aber eben aus einem anderen Stoffe gemacht – aber dies versucht Schelling gerade nicht zu denken, sondern ihn aus dem gleichen Stoffe zu denken wie alle anderen Menschen. Bis auf die Sündenfreiheit (IMPECCABILITAS) Christi sei dieser dem Menschen gleich.


Als Stoff definiert Schelling die erste Ursache, welche die Bedingung des organischen Prozesses ist, die materia ultima also den Samen des Mannes in diesem Fall. Fakt ist halt auch für ihn, daß ein menschliches Wesen nicht ohne Zutun eines Mannes entstehen kann insofern sieht er dies als Notwendigkeit ein. Ebenso billigt Schelling der Mutter dieselbe Funktion zu, die jede andere Mutter auch bei der Entstehung eines Kindes hat. Aufgrund der unglaublich unpräzisen und ungewissen Kenntnisse zu Schellings Zeit über diese Frage und der Verwirrung um die Zeugung von Kindern selbst bei Wissenschaftlern, schließlich die perfide Ironie der Natur die alle Eltern höhnisch auslacht (”Wohl möglich, daß zufolge der tiefen Ironie der Natur das Männliche eigentlich weiblich, und das weibliche männlich wirkt.”) läßt Schelling nicht zu einem deutlichen Gedanken kommen sondern nur ablenken. Fazit: Das göttliche in Christus sei der in ihm gebliebene Vater – der Gott in Christus zeugt den Menschen Christus. Die erste Materie seines Entstehens ginge aus dem Substanziellen seines Seins hervor. Dies sei zwar in der bloß materiellen Welt unerklärbar, aber aufgeschwungen in das Immaterielle durchaus erklärbar und begreiflich. Trickreich fügt Schelling zu Beginn der folgenden Vorlesung das Argument ein, Maria hätte ja Väter gehabt und damit Jesus Christus doch automatisch auch.
Mit der zweiten Frage spielt Schelling auf die Meinungen verschiedener Sekten an, die denken Christus sei eine himmlische Gestalt gewesen und hätte einen ätherischen Leib gehabt. Dazu meint Schelling, der Ursprung des ersten Stoffes sei für ihn völlig gleich. Jener Stoff aber (welcher das immer auch ist) muß aber um die Bedingung zu erfüllen zu genau jemen Stoff geworden sein, der sonst auch von Nöten ist ein menschliches Wesen zu zeugen. Hier widerspricht Schelling auch jenen Theorien die sagen Christus sei ohne fremden Stoff gezeugt worden. Zeugung ohne Stoff ist undenkbar und in diesem Zusammenhang von Zeugung zu reden für Schelling auch sinnlos. EIne creatio ex nihilo kann er nicht akzeptieren. Da die Mutter auch ihren natürlichen Part hat, besteht das Problem der Erbsünde die ja quasi genetisch an die Nachfahren weitergegeben wird und immer fortbesteht. Um aber der Schwierigkeit einer mit der Erbsünde belasteten Gottesmutter auszuweichen, gab es die Vorstellung einer durch den heiligen Geist gereinigten Maria oder der Idee Christus habe seine Menschlichkeit schon vor dem gefallenen Adam angenommen. Durch Maria würde diese lediglich im richtigen Moment sichtbar werden.


In der Menschwerdung unterwirft der Logos das unausgeglichene menschliche Sein dem Vater, so daß das vormals von ihm getrennte und unabhängige nun von ihm abhängig ist und seinem Willen folgt. Gerade durch die Menschwerdung und den Tod hat der Logos das Sein geheiligt und bestätigt. Christus ist dem Vater in völliger und fortwährender Unterwerfung begriffen welche nur durch einen menschlichen Tod bestätigt und vollendet werden kann. Das gegen Gott selbstständige Sein unterwirft sich und wird zum Gefäß des heiligen Geistes. Die Menschwerdung Christi ist nichts anderes als der Übergang zur Geburt und Verwirklichung des heiligen Geistes. Christus ist der Vermittler des Geistes und Vorbild für alle Menschen das menschliche Bewußtsein mit dem göttlichen zu vereinen. Menschen sollen Naturen werden, in denen Gott sich wieder erzeugt und die Geburt der drei Personen wiederherstellt. Dies sei der Endzweck. Der Logos entäußert sich nicht seiner Gottheit bei der Menschwerdung, sondern nur seines substanziellen von Gott unabhängigen Seins. Vor der Menschwerdung steht also nicht ein rein göttlicher Logos sondern eine von ihm differenzierte aber dennoch aufs innigste verbundene Persönlichkeit.
In diesem Zusammenhang (der Unabhängigkeit von Gott) attestiert Schelling Christus die freie Wahl sein menschliches Leben aufzugeben oder nicht. Nur sein freier Wille sei es gewesen auszuharren und bis zum Tod Mensch zu sein. Christus ist als Mensch dazu entschlossen das ihm unabhängig gegebene Sein Gott völlig unterwerfen und ihm zum Opfer zu bringen. Alles was Christus in seinem Leben göttliches wirkt schreibt er sich nicht selbst zu sondern stets dem Vater. Er ist dem göttlichen Geist als menschliches Wesen völlig untertan und kann nicht aus sich heraus Göttliches wirken.


Wenn aber die reine Gottheit des Logos sich mit dem Menschen Jesus verband, warum setzte sie nicht alle entwürdigenden und leidvollen Aspekte außer Kraft? Wie kann die reine Gottheit neben der beschränkten menschlichen Natur existieren? Schelling wendet sich gegen die Auffassung Jesus würde ein Versteckspielen seiner Eigenschaften, ein bewußtes Zurückhalten der latenten Allmacht praktizieren. Anschließend diskutiert er die verschiedenen dogmatischen Auffassungen der Zusammensetzung Christi vor und nach dem Wendepunkt, also der Empfängnis. Hier unterscheidet er die Entstehung aus zwei göttlichen Naturen hin zu einer menschlichen, die Entstehung aus zwei göttlichen Naturen in zwei menschlichen Naturen und die Entstehung aus zwei Naturen aber nur in einer Person. Seine Überlegung ist die, daß Christus zwar als zwei Naturen besteht aber bloß aus einer entstanden ist. Dies sieht er in keinem Widerspruch zur kirchlichen Satzung, da damals noch keiner an seine Genialität denken konnte, wie er selbst zugeben muß. Im Akt der Menschwerdung erst setzt sich die menschliche als auch die göttlicher Natur aus einem ganzen heraus. Vor der Menschheit existierte kein göttliches, sondern nur ein Mittleres. Das menschgewordene Sein ist die Bedingung der Erscheinung des Göttlichen und der Möglichkeit sich überhaupt mitzuteilen. Eine Aufhebung der Menschlichkeit bewirkt ebenso ein Verschwinden desjenigen dem mitgeteilt werden soll. Insofern kann das Göttliche nicht seinen eigenen Grund aufheben und damit wäre auch die lästige Frage nach der Loslösung Christi vom Leid der Welt für ihn zufriedenstellend beantwortet.


Natürlich stellt sich hier auch die Frage nach der Kraft der Wunder, die Jesus Christus zugesprochen werden. Aber auch hier meint Schelling Christus wirke keine Wunder, sondern der Vater wirke durch ihn hindurch. Außerdem seien Wunder nur in Beziehung auf die gemeine Ordnung der Dinge unerklärbar. In der höheren Ordnung der Christus angehört seien es keine Wunder mehr. Nachmals betont er Christus habe keine Allmacht – alle als Wunder titulierten Geschehnisse leiten sich vom Vater ab. Die Menschheit stellt nichts anderes dar als die fortwährende Submission des von Gott unabhängigen Logos unter den Vater. Durch die Unterwerfung an den Vater und das Gebet an ihn ziehe er das Göttliche an und könne Wunder bewirken. Die einzige Erniedrigung sei die Menschwerdung – der Gehorsam erfolgte nicht danach sondern genau mit ihr – alle anderen Überlegungen wie etwa das Zurückhalten göttlicher Allmacht, der entschiedene Verzicht auf Fähigkeiten etc. sei nicht sinnvoll zu denken.


Als wichtigsten Beweis des Gehorsams gegenüber dem Vater sieht Schelling den freiwillig übernommenen Tod, der vorher gewollt und gebilligt wurde. Um den anfangs erwähnten Gedanken eines einschneidenden Erlebnisses wieder aufzugreifen, erläutert Schelling den Gegensatz heidnischer Opferdarbietungen und der Opferung Christi am Kreuz. Vorher sei das Spannungsverhältnis Mensch-Gott nur äußerlich ins Gleichgewicht gebracht worden aber stets aufs Neue aufzufrischen gewesen (der Grund der Entzweiung blieb bestehen) – mit Christus sei aber das Übergewicht in der Schöpfung innerlich versöhnt worden und endgültig an der Wurzel aufgehoben. Christus hat freiwillig und mit aller Verbindlichkeit das menschliche Leben angenommen und sich auf die Seite des Gott entfremdeten Seins gestellt und die Schuld des Falles von Adam an auf sich genommen.

Nachdem der Tod Jesu als Notwendigkeit und Grundbedingung herausgestellt wurde, ist anschließend die genaue Klärung des Sterbens nötig. Würde es nicht reichen zu leben und dann gekreuzigt zu werden? Schelling sieht in dem Prozess des Sterbens Christi und den Stadien danach Potenzial für Analogien und Metaphern auf den Bewußtseinszustand des Menschen. Natürlich muß er vorher wieder den Zweifel aus der Welt schaffen Christus habe sich seiner Pflicht entzogen oder wäre nicht wie ein Mensch gestorben. Hierfür überlegt er sich den Zustand eines gestorbenen Menschen, genauer was mit seiner Seele oder seinem Geist passieren könnte. Interessant ist, daß Schelling einen Zwischenzustand herausarbeitet in dem die Seele essentifiziert vorliegt. Dieses Dazwischensein vergleicht er mit dem Zustand der Menschen die die Offenbarung schon gehört haben aber immer noch auf die Erscheinung Christi warten. Die zwei Zustände vor und nach dem Tod eines jeden Menschen bezeichnet Schelling mit dem Leben in sich und dem Leben in Gott. Auf der einen Seite lebt man ein Leben der freiesten Bewegung und auf der anderen Seite eins des vollkommenen Stillstand und des Erlöschens. Die Person sei dabei natürlich die selbe; ebenso setzt er eine Kontinuität des Bewußtseins voraus.

Außer diesen beiden Zuständen sieht Schelling noch einen dritten in den man als geistigkörperliches Wesen zurückkehrt. Ebenso wie Christus nicht völlig in die geistige Welt trat sondern auferstanden ist und wieder in das Fleisch zurücktrat. In den drei Tagen Christi von der Kreuzigung bis zur Auferstehung sieht Schelling das ganze menschliche Leben zusammengedrängt und flechtet zudem eine Analogie der jeweiligen Tage zu den drei erörterten Zuständen. Die Auferstehung ist Rechtfertigung für die Möglichkeit des Menschen Gott gerecht zu werden und nötig um den Schritt zu dem ursprünglichen heilen Zustand des Menschen zu weisen und die globale Totalauferstehung zu provozieren.

Tiefer einzugehen finde ich keinen Grund um mit Schelling abzuschließen denn die folgende Seiten enthalten nur Wiederholungen des Gesagten, Versuche die Thesen durch gezielte Zitate zu bestärken und eine Anhäufung an Ausrufezeichen und Belehrungen.
„Seit er uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein einziges und endgültiges Wort ist, hat Gott uns kein anderes Wort zu geben. Er hat alles zumal in diesem einen Worte gesprochen, und mehr hat er nicht zu sagen“ (Hl. Johannes vom Kreuz)

Wie offenbart Gott, dass er Liebe ist? [218-221]
Gott offenbart sich Israel als derjenige, dessen Liebe größer ist als die eines Vaters oder die einer Mutter zu ihren Kindern oder die eines Bräutigams zu seiner Braut. Er ist in sich selbst „die Liebe“ (1 Joh 4, 8.16), die sich vollkommen und ungeschuldet verschenkt. Er „hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3, 16–17). Durch die Sendung seines Sohnes und des Heiligen Geistes offenbart Gott, dass er selbst ewiger Liebesaustausch ist.
Was offenbart uns Jesus Christus vom Mysterium des Vaters? [238-242]
Jesus Christus offenbart uns, dass Gott „Vater“ ist: nicht nur als Schöpfer der Welt und des Menschen, sondern vor allem, weil er von Ewigkeit her in seinem Innern den Sohn zeugt, der sein Wort ist, „der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1, 3).
Wer ist der Heilige Geist, der uns von Jesus Christus geoffenbart worden ist? [243-248]
Er ist die dritte Person der heiligsten Dreifaltigkeit. Er ist ein und derselbe Gott mit dem Vater und dem Sohn. Er „geht vom Vater aus“ (Joh 15, 26), der als Anfang ohne Anfang der Ursprung des gesamten Lebens der Dreifaltigkeit ist. Er geht auch aus dem Sohn hervor (Filioque), weil der Vater ihn dem Sohn als ewiges Geschenk mitteilt. Vom Vater und vom Mensch gewordenen Sohn gesandt, führt der Heilige Geist die Kirche „in die ganze Wahrheit“ (Joh 16, 13).
Warum ist der Sohn Gottes Mensch geworden? [456-460]
Für uns Menschen und zu unserem Heil hat der Sohn Gottes durch das Wirken des Heiligen Geistes im Schoß der Jungfrau Maria Fleisch angenommen. Er wollte uns Sünder mit Gott versöhnen, uns seine unendliche Liebe kundtun, für uns Vorbild der Heiligkeit sein und uns „an der göttlichen Natur Anteil“ (2 Petr 1, 4) geben.
In welcher Weise ist Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch? [464-466]
Jesus ist untrennbar wahrer Gott und wahrer Mensch in der Einheit seiner göttlichen Person. Er, der Sohn Gottes, „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“, ist ein wahrer Mensch geworden, unser Bruder, ohne damit aufzuhören, Gott, unser Herr, zu sein.

Was lehrt in diesem Zusammenhang das Konzil von Chalkedon (451)? [467]

Das Konzil von Chalkedon lehrt, „unseren Herrn Jesus Christus als ein und denselben Sohn zu bekennen; derselbe ist vollkommen in der Gottheit, und derselbe ist vollkommen in der Menschheit; derselbe ist wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch aus vernunftbegabter Seele und Leib; derselbe ist der Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach uns wesensgleich, ‚in allem uns gleich außer der Sünde’ (Hebr 4, 15). Derselbe wurde einerseits der Gottheit nach vor den Zeiten aus dem Vater gezeugt, andererseits der Menschheit nach in den letzten Tagen unsertwegen und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau und Gottesgebärerin, geboren.“

Wie stimmen der göttliche und der menschliche Wille des Fleisch gewordenen Wortes überein? [475, 482]
Jesus hat einen göttlichen Willen und einen menschlichen Willen.

Während seines Erdenlebens wollte der Sohn Gottes als Mensch das, was er als Gott zusammen mit dem Vater und dem Heiligen Geist zu unserem Heil beschlossen hatte. Der menschliche Wille Christi folgt seinem göttlichen Willen, ohne zu widersprechen und sich zu widersetzen, oder besser, er ordnet sich diesem unter.

Warum gehört der Tod Christi zum Ratschluss Gottes? [599-605]
Um alle Menschen, die aufgrund der Sünde dem Tod verfallen waren, mit sich zu versöhnen, hat Gott die liebevolle Initiative ergriffen, seinen Sohn zu senden, damit dieser sich für die Sünder dem Tod überliefere. Im Alten Testament angekündigt, insbesondere als Opfer des leidenden Gottesknechts, geschah der Tod Jesu „gemäß der Schrift“.
In welcher Weise hat Christus sich selbst dem Vater dargebracht? [606-609]


Das ganze Leben Christi ist eine freiwillige Opfergabe an den Vater, um dessen Heilsratschluss zu erfüllen. Er gibt sein Leben hin „als Lösegeld für viele“ (Mk 10, 45), und so versöhnt er die ganze Menschheit mit Gott. Sein Leiden und Sterben zeigen, wie seine Menschennatur das freie und vollkommene Werkzeug der göttlichen Liebe ist, die das Heil aller Menschen will.


Was bewirkt das Opfer Christi am Kreuz? [613-617]
Jesus hat sein Leben freiwillig als Sühnopfer hingegeben, das heißt er hat unsere Sünden durch den vollkommenen Gehorsam seiner Liebe bis zum Tod wiedergutgemacht. Diese Liebe des Sohnes Gottes „bis zur Vollendung“ (Joh 13, 1) versöhnt die ganze Menschheit mit dem Vater. Das österliche Opfer Christi erlöst also die Menschen auf einmalige, vollkommene und endgültige Weise und erschließt ihnen die Gemeinschaft mit Gott.

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